Wenn Hormone im 3/4-Takt hüpfen.

Ich staune. Nicht schlecht sogar.

Es ist Mittag. Mittag, 13 Uhr und zwei junge Mädchen sitzen vor unserem Hauseingang. Nichts spezielles so. Eigentlich. Mit einer Kebabbox in der Hand. Ganz normal an einem Mittag im Kreis 5. Sie  stönen einen grossartigen Freudesjauchz aus und hauchen ein: “Mir händ uhuerä Glück, mir sind die ERSCHTE!” aus ihren plattenspangengefüllten Mündchen.

Bei was denn die Ersten? Wie, was?
Dass sie auf Mr. Decaffeinato warten, scheint mir unverhältnissmässig – hier vor Tele Züri. Nä-äh. Kann nicht sein. Aber wer oder was strahlt in ihren Augen?

Ich werde aufgeklärt:

Luca Hänni kommt!
Aber erst in 4 1/2 Stunden.

Wer Luca Hänni ist? Aha, ja. Das wusste ich bis jetzt auch nicht. Aber jetzt weiss ich es: Er ist der neue Deutschland-sucht-den-Superstar-(DSDS)-Superstar aus der Schweiz! YEAH! Ein Schweizer! Einer von uns!

Also gut.
Die beiden Mädchen haben wohl die Schule geschwänzt oder so ähnlich. Denn sie sitzen noch länger alleine vor dem Eingang und harren der Dinge die noch länger nicht kommen.
Bis sie dann kommen, die Massen.

Bei meiner Freundin auf dem Balkon lassen wir uns nieder. Mit Kamera, rotem Lippenstift und etwas Sprudel in der Flûte. Ziemlich gelungen, finde ich. Zugegebenermassen werde ich etwas nervös. Wegen dem 17-jährigen Burschen? Nein, ich glaube nicht. Aber ich lasse mich von der Hysterie anstecken und fiebere mit den umherspringenden Mädchen mit.
Die Sicherheitsmänner schicken sie um den Block und sie springen, sie springen fast um ihr Leben. Für einen Moment zählt nichts – AUSSER LUCA! Ihn sehen! Ganz nah sein! Ihm in die Augen zu schauen und als die Liebe auf den ersten Blick erkannt zu werden. Schliesslich schaut er sie auch so direkt aus dem Fernseher an – das kann kein Irrtum sein.

Fast tun mir die verknallten Fans leid. Und Luca auch ein bizzeli. Na gut. Er muss jetzt wenigstens nicht um sein Leben springen. Wie auch immer. Freundinnen höre ich, wie sie streiten um den besten Platz: “Schtirb doch”! höre ich eine zur liebsten Freundin sagen. Hoppla. Rauher Ton. Aber ja, es geht ja um den Star aller Stare. Da verstehe ich das schon. Ein Bizzeli.

Na. Und dann wirds doch wirklich 17:30 Uhr. Man glaubt es kaum. Die Kebabboxen sind gegessen, das Gedrängel ist gross und dann. Dann, ihr lieben, dann kommt doch der junge Mann. Der grosse Superstar.

LUCA HÄNNI!
In roter Jacke. Die Arme zum Himmel emporgestreckt im Schutze der Sicherheitsmänner zu den Fans tänzelnd. Wow. Da ist er also. DAS ist er also.
Ich knippse. Hab durch den Sucher die beste Sicht. So nah hab ich ihn bei meinem Aug. Ich Paparazzo.  Aber niemand kümmert sich um mich. Ich hab die totale Freiheit fürs beste Bild.

Durch den Sucher sehe ich Tränen, viel Freude, viele erfüllte Träume. So nah. Ihn riechen, vielleicht sogar umarmen. Hei.

Ohrenbetäubend.

Am liebsten hätten sie die Zeit angehalten …………………………………… doch bald schon sind die letzten Autogramme geschrieben und für viele, zu viele geht der Event leer aus. Sie hoffen, dass er trotzdem nochmals kommt. Wer weiss? Vielleicht finden sie ihn im Haus? Sie türmen den Hintereingang. Stehen zu gefühlten Tausenden in den Gängen. Krankenwagen stehen bereit. Ich sehe, wie zwei Mädchen von den starken Männern getragen werden. Ja, wahrhaftig ein Erlebnis, so eine Autogramm-Halbstunde vor dem Zuhause. Eine kleine Zeitreise in die eigene Jugend. Huch. Und in 10 Jahren? Begleite ich dann meine Töchter zu solchen Aufläufen?

NEIN! Klar nicht!
Oder doch? Freue ich mich in 10 Jahren für meine kreischenden, verknallten Töchter? Vermutlich… ja.

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5 Gedanken zu “Wenn Hormone im 3/4-Takt hüpfen.

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